Viele Schwangere möchten sich optimal auf die Geburt vorbereiten. Entsprechendes körperliches Training steht dabei, neben gesunder Ernährung, ganz oben auf der Liste. Was aber tun, wenn der Gebärmutterhals zu kurz ist? Ist Training bei verkürztem Gebärmutterhals wirklich Tabu? Nicht unbedingt, denn du kannst immer etwas tun. Ein Erfahrungsbericht.
Gleich vorweg: Es ist mir wichtig zu erwähnen, warum ich meine Erfahrungen zum Training bei verkürztem Gebärmutterhals hier mit dir teile. Ganz einfach: Weil ich selbst nicht fündig wurde! Weder online, noch in Büchern oder im direkten Gespräch mit Spezialisten. Immer hatte ich das Gefühl, das ist zu wenig und es muss doch irgendetwas geben, was ich aktiv tun kann? Anfangs wusste ich das noch nicht, aber man kann gegen einen verkürzten Gebärmutterhals offenbar wirklich nichts aktiv unternehmen. Es gibt kein Mittel, das man nehmen könnte, und auch keine Übung, die irgendwie stärkend auf ihn einwirken würde. Geschweigedenn kann man ihn selbst aktiv trainieren. Er ist kein Muskel, der sich einfach so stärken lässt. Leider! Denn wenn dem so wäre, hätte ich sofort mit dem Training losgelegt. Was ich aber zu dem Zeitpunkt machen konnte, ist, gut in meinen Körper hinein zu spüren, ihn mit gesunder Ernährung zu versorgen und mich mental auf die Geburt vorzubereiten.
Die Diagnose: verkürzter Gebärmutterhals
„Ursula, wir müssen dich leider sofort ins Krankenhaus einweisen”, sagte mein Gynäkologe an diesem Sommertag mit ernster Stimme zu mir. Ich war im Rahmen einer klassischen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen zur Vorsorge bei ihm, als ich diese Hiobsbotschaft bekam. Bitte, was? Ich muss ins Krankenhaus? Warum? Mir geht es doch gut, dachte ich mir. Dem Baby geht es auch gut, also bitte, was ist los?
Ich habe seine Worte zwar gehört, verstanden habe ich sie aber erst, als mein Arzt mir erklärte, dass mein Gebärmutterhals stark verkürzt ist. Ich war zu dem Zeitpunkt in der 29. Schwangerschaftswoche. Also mitten in der Schwangerschaft, wo der Gebärmutterhals normalerweise zwischen 30 und 50 Millimeter lang sein sollte. Meiner war nur noch 14 Millimeter lang – oder besser kurz – und damit war das Risiko einer Frühgeburt extrem hoch. In der 29. Woche ist es für das Baby jedenfalls noch zu früh auf die Welt zu kommen, denn die Lunge ist zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgereift. Das Baby könnte jetzt noch nicht selbstständig atmen. Damit ist das Risiko für Komplikationen sehr hoch. Die Ursache für den verkürzten Gebärmutterhals dürfte bei mir genetisch bedingt sein, denn das Thema Frühgeburten zieht sich durch meine Familie. Das wurde mir aber erst rückblickend bewusst.
Ganz begriff ich erst, in welcher Lage ich steckte, als ich noch am selben Abend an ein Gerät angeschlossen wurde, das mir für die nächsten 48 Stunden ein wehenhemmendes Mittel verabreichte. Ich erfuhr, dass dies notwendig sei, da ein so kurzer Gebärmutterhals die Ursache für vorzeitige Wehen sein kann. Mit den Wehenhemmern wurde diese Gefahr gebannt. Außerdem können sie sich durch die absolute Ruhigstellung der Gebärmutter positiv auf den Gebärmutterhals auswirken. Mit dem Gerät fühlte ich mich einerseits gefangen und ausgeliefert, andererseits war ich sehr froh, in so guten Händen und versorgt zu sein. Das Gerät war zwar mobil, aber es war recht schwer und sperrig. Ich musste es immerzu eng bei mir haben und aufpassen, dass ich mich mit dem Schlauch nicht verhedderte. Auch der Venenzugang selbst war oft sehr unangenehm. Aber ich arrangierte mich und irgendwie vergingen die 48 Stunden.
Dann wurde der Gebärmutterhals wieder kontrolliert. Aber von einer Besserung war nicht die Rede. Er hatte sich sogar auf 11 Millimeter verkürzt. Noch am selben Tag wurde mir die erste von zwei Lungenreife-Spritzen verpasst. Und ich war fertig mit den Nerven. Eben noch war ich der Meinung, voll fit und gesund zu sein, sah ich mich plötzlich in einer Situation wieder, die mir völlig fremd war und mich mit einer Frühgeburt konfrontierte. Ich war noch überhaupt nicht dazu bereit, mein Kind schon jetzt auf die Welt zu bringen!
Insgesamt machte ich vier Wehenhemmer-Zyklen durch. Drei Wochen lag ich im Krankenhaus. Bewegung in der Zeit? Fehlanzeige! Die Anordnung war, mich nur so viel wie unbedingt notwendig zu bewegen. Ruhe und vor allem die waagrechte Ruhelage im Bett sollten den Druck nach unten verringern und somit den Gebärmutterhals schonen.
Die kritische Grenze für die Länge des Gebärmutterhalses, um nach Hause zu dürfen, lag bei 25 Millimeter. Nach der dritten Woche durfte ich aber dennoch unter Auflagen heim, da sich meine Situation weder verschlechtert noch verbessert hatte. Sie schien zumindest auf niedrigem Niveau stabil zu sein. So durfte ich mich auch zuhause nur behutsam bzw. wenig bewegen und musste engmaschig kontrolliert werden. Bis zur vollendeten 34. Woche sollten wir es auf jeden Fall schaffen, denn dann – so hieß es – ist das Baby zumindest soweit, um gesund auf die Welt zu kommen.
Mein Training bei verkürztem Gebärmutterhals
Bereits im Krankenhaus nahm ich, so gut es mir möglich war, mein Training wieder auf. Training ist gut. Es war vielmehr ein Mini-Workout. Ich konsultierte dort zwar die Physiotherapeuten, mit deren Empfehlungen für ein Training bei verkürztem Gebärmutterhals konnte ich allerdings nur bedingt etwas anfangen. Sie waren mir vom Anspruch her deutlich zu niedrig. Gut, ich verstand schon, sie mussten mir so niedrig dosierte Übungen geben, denn Sicherheit geht vor und lieber zu wenig machen als zu viel. Und es ist besser, sich nichts zu Schulden kommen zu lassen. Aber ich kannte – und kenne – doch meinen Körper besser, war ich mir sicher!
Und so habe ich mich schon bald getraut, ein bisschen mehr zu machen. Ich spürte einfach, dass es möglich und dennoch sicher war und musste doch etwas tun! Erstens, um nicht komplett zu degenerieren und zweitens, um mich nach wie vor so gut es ging auf die Geburt vorzubereiten. Denn es war meine erste Geburt und so hatte ich keinerlei eigenen Erfahrungen, wie es denn ist, ein Kind zu gebären. Was ich allerdings so rund um mich hörte und las, ist eine Geburt doch eine immense Anstrengung und Leistung für den weiblichen Körper und jedes Fünkchen Fitness dabei eine große Hilfe. Da wollte ich mich unbedingt vorbereiten, so gut es mir möglich war! Wie sah also nun mein Training aus? Und was haben mir die Physiotherapeuten empfohlen?
Trainingsempfehlungen bei verkürztem Gebärmutterhals
Ich möchte die Trainingsempfehlungen der Physiotherapie mit dir teilen, weil die Spezialisten im Krankenhaus mir trotz der niedrig dosierten Trainingstipps doch wertvolle Inputs liefern konnten. Denn so blöd es klingt, so niedrig dosiert habe ich „Training“ noch nie gedacht. Musste ich glücklicherweise auch bisher nicht. Wie auch immer, die sehr freundlichen Experten im Krankenhaus gaben mir folgende Tipps:
- Isometrisches Training ist erlaubt: Das heißt, sämtliche Muskulatur anzuspannen ist eine sichere Variante, zumindest irgendwie zu „trainieren“. So durfte ich auf der Matratze liegend meinen Körper bzw. meine Körperteile abwechselnd in die Matratze drücken und so die Muskeln zumindest aktivieren.
- Schulterbrücke: Ist erlaubt, aber nur leicht. Das Becken sollte ich nur bis zur Hälfte anheben, nicht höher.
- Becken- und Hüftmobilisationen, die im Liegen möglich sind. D. h. zum Beispiel Beckenkreisen, Beckenkippen, mit den Knien Kreise auf die Decke zeichnen etc.
- Wadenpumpe: Die Zehen zu den Schienbeinen ziehen und wieder strecken. Das habe ich gefühlt eine Trillion-Mal gemacht. 😉
- Übungen mit dem Theraband, die im Liegen oder Sitzen möglich sind, sind erlaubt. Ich habe viel für die Arme und den Rücken gemacht, aber auch zum Beispiel die Beinpresse (einbeinig, im Bett im Langsitz sitzend).
- Beinabduktion in der Seitenlage mit angewinkelten Beinen
- Seitbeuge der Wirbelsäule in der Rückenlage
- Nackenübungen im Sitzen
- Vierfüßerstand: War nicht erlaubt. Auf meine Frage, warum dieser nicht gemacht werden sollte, kam die Antwort, es könnte damit zu viel Spannung auf den Bauch ausgelöst werden.
- Beckenboden anspannen und auch bewusst entspannen: Das war immer möglich und erlaubt. Der Po sollte dabei immer entspannt bleiben.
- Mental mittrainieren: Die Physiotherapeuten gaben mir den Hinweis (und den fand ich zum Beispiel super), mental immer voll bei der Übung bzw. dem Muskel zu sein, der gerade trainiert wird. Klar war mir das bewusst, dass das Sinn macht und ich trainierte auch grundsätzlich so, aber in so einer Situation daran erinnert zu werden, tat mir unheimlich gut. Es erinnerte mich, dass ich selbst sehr viel zu einem positiven Verlauf beitragen kann.
- Zuletzt gaben sie mir noch den Hinweis, dass die Bauchdecke bei sämtlichen Übungen immer weich bleiben sollte.
Insbesondere den letzten Hinweis hatte ich stets präsent. Ganz besonders dann, als ich mich traute, entsprechend meinen individuellen Voraussetzungen bei der einen oder anderen Übung etwas mehr zu machen. Das traute ich mir deshalb zu, weil ich wusste, dass ich bis vor dem Tag, an dem ich die Diagnose „verkürzter Gebärmutterhals“ erhalten habe, körperlich recht anspruchsvoll trainiert habe und eigentlich sehr fit war. Ich hob noch meine 17 kg Hantel und machte damit Kreuzheben und Kniebeugen. Auch die Arme trainierte ich noch mit 12 kg. Es war damit klar, dass mich die niedrigen Trainingsempfehlungen vor allem anfangs in keinster Weise so beanspruchten, wie es für mich richtig war.
Ich spürte zum Beispiel, dass eine Beinabduktion mit angewinkelten Beinen weit unter meinen Voraussetzungen lag. Ich streckte daher das obere Bein aus, um die Intensität zu erhöhen. Auch bei der Schulterbrücke konnte ich für mein Empfinden ganz nach oben gehen. Ich tat diese Dinge deswegen, weil ich spürte, sonst deutlich unter meinen individuellen Voraussetzungen zu bleiben. Und eine Degeneration auch noch voranzutreiben, indem ich deutlich unter meinen Möglichkeiten blieb, das wollte ich auf keinen Fall. Für mich stellte sich bei jeder Übung die Frage: Wo liegt hier meine ganz individuell richtige Intensität?
Mein Training bei verkürztem Gebärmutterhals ab der 34. Woche
Je näher ich meiner Zielwoche kam, desto mutiger – und auch wieder fitter – wurde ich. Wieder zuhause, nahm ich meine Yogaeinheiten auf und trainierte zusätzlich auf dem Pezziball sitzend mit 1,5 kg Hanteln Arme, Schulter, Rücken und Brust. Ich hörte stets gut in meinen Körper hinein, nahm mit meinem Baby Verbindung auf, spürte, was wir brauchten, und ging dem nach. Und das tat mir immens gut! So kristallisierte sich meine ganz individuelle Version des Sonnengrußes heraus, die folgendermaßen aussah:
Im Stehen:
Im Vierfüßerstand:
Warum ich das mit dir teile? Einfach, um dir zeigen, was möglich ist! Und es ist so viel mehr möglich, als dir viele wahrmachen wollen. Wenn du nur gut auf dich selbst hörst und deinen Körper wirklich gut kennst. Das heißt aber nicht, dass ich meine Art, wie ich zu diesem Zeitpunkt trainiert habe, generell empfehle! Denn was dein Körper braucht, das kann ich natürlich nicht wissen, sondern im Grunde kannst das nur du selbst. Und es ist gut möglich, dass das wiederum ganz anders aussieht als bei mir. Mir hätte aber eine gewisse Inspiration zu dem Zeitpunkt sehr geholfen, wenn ich gewusst hätte, was möglich sein kann. Also vielleicht sind meine Erfahrungen für dich hilfreich?
Zu diesem Zeitpunkt war es jedenfalls sehr wichtig, dass ich mir selbst vertraute und das war vielleicht die größte Herausforderung. Denn wenn dir von außen dauernd gesagt wird, dass etwas mit deinem Körper nicht stimmt und du ihn ja nicht überfordern sollst, ist es ein enormer Kraftakt, seine eigene innere Stimme zu hören, um das zu machen, was tatsächlich gut für einen ist. Ich empfand es nämlich total heilsam, auf die Bedürfnisse meines Körpers einzugehen und ihn in dieser inneren Stille genau dort abzuholen, wo er zu diesem Zeitpunkt stand.
So konzentrierte ich mich bei den Übungen stets auf eine absolut korrekte Ausführung und machte an jedem Tag nur das, was sich zu 100 Prozent gut anfühlte. Nahm ich eine Abweichung davon wahr, ging ich darauf ein. Und so machte ich an einem Tag etwas mehr (zum Beispiel traute ich mich an manchen Tagen auch wieder an Liegestütze auf den Knien heran) und an einem anderen Tag machte ich deutlich weniger, wenn ich spürte, mein Körper braucht heute eine (noch) niedrigere Intensität.
Verkürzter Gebärmutterhals = einfache Geburt?
Ich weiß nicht, ob es diese behutsame Herangehensweise war. Vielleicht war sie es in Kombination mit meiner sehr gesunden Ernährung zu der Zeit. Ich verzichtete beispielsweise voll auf industriellen Zucker, aß viel Gemüse und nahm meine auf mich abgestimmten Nahrungsergänzungsmittel täglich ein. Vielleicht kam mir aber auch der verkürzte Gebärmutterhals schlussendlich zugute? Es hieß, dass dieser dazu beitragen kann, den Geburtsvorgang zu beschleunigen, da diese Basis ohnehin schon sehr weich ist.
Wie auch immer, jedenfalls war es dann an einem Samstagmorgen in der 35. Schwangerschaftswoche soweit. Ich bemerkte etwas Fruchtwasserabgang und spürte ein leichtes Ziehen im Unterleib, das rasch in immer kürzeren Abständen stärker wurde. Es ging alles sehr schnell und wir schafften es gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus. Vom Zeitpunkt des Fruchtwasserabgangs bis hin zu dem Zeitpunkt, als unsere Tochter das Licht der Welt erblickt hat, sind letztendlich nur etwas mehr als drei Stunden vergangen. Verrückt, oder? Für mich klingt das irgendwie immer noch unglaublich.
Vielleicht war es schlussendlich die Kombination aus sanftem Training, gesunder Ernährung und mentaler Vorbereitung, die zu dieser schnellen und komplikationslosen Geburt führten. Ich zog mir nämlich seit meinem Krankenhausaufenthalt täglich eine Meditation zur Geburtsvorbereitung rein, um jeder meiner Körperzellen klar zu machen, dass ich ihr vertraute und mein Körper weiß, was zu tun ist. Keiner kann mir zwar bestätigen, was es wirklich war. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass ich durch all diese Dinge viel selbst dazu beitragen konnte, dass meine Geschichte schließlich gut ausgegangen ist. Nun dürfen wir uns glücklich schätzen, eine rundum gesunde Tochter bei uns zu haben.
Vielleicht helfen meine Erfahrungen für ein Training bei verkürztem Gebärmutterhals ja auch dir, solltest du in einer ähnlichen Situation sein. Wenn dem so ist, wünsche ich dir von Herzen, dass du es schaffst, in dieser Situation an dich selbst zu glauben und deinem Gefühl für deinen Körper voll zu vertrauen. Denn dann – und davon bin ich auch überzeugt – sind buchstäblich Wunder möglich!
