Frau trainiert mit Kurzhantel, Fitnesstraining für Frauen, Body Bible für Frauen, Buchrezension
Fitness Basics

Buchrezension „Die Body Bible für Frauen“

Voller Spannung erwartete ich das Buch „Die Body Bible für Frauen“. Verspricht es doch laut Untertitel „Alles über die genialen Fähigkeiten des weiblichen Körpers“ sowie „Revolutionäre Erkenntnisse zu Gesundheit und Fitness“. Kann der Inhalt diesen Erwartungen entsprechen? 

Body Bible Buchcover
Buchcover „Die Body Bible für Frauen“

Die „Body Bible für Frauen“ von Dr. Emma Ross, Baz Moffat und Dr. Bella Smith ist im Sommer 2023 im Heyne Verlag erschienen und liefert viele Informationen rund um den weiblichen Körper. Es handelt sich oftmals um aktuelles Wissen, das zum Beispiel beim Thema Nüchterntraining sehr differenziert betrachtet wird. Wurde es doch früher gehyped, da es nachweislich die Ausdauer rascher verbessern kann, als Training nachdem man (wenn auch nur eine Kleinigkeit) gegessen hat. Außerdem greift der Körper beim Nüchterntraining schneller auf Fettdepots zurück. Allerdings haben neuere Forschungen gezeigt, dass die Auswirkungen nicht ausschließlich positiv sind. 

Forschende haben nämlich auch entdeckt, dass beim Laufen mit leerem Magen doppelt so viel Muskelabbau stattfindet wie bei einem Training, vor dem man etwas gegessen hat. Außerdem – so heißt es von den amerikanischen Verfasserinnen – ist der weibliche Körper, besser als der männliche, von Natur aus darauf ausgelegt, beim Sport Fett zu verbrennen. Vorübergehende Phasen einer niedrigen Energieversorgung können jedoch die Hormonproduktion drosseln und damit den weiblichen Zyklus stören. 

Mit ein Grund, warum die Autorinnen an einer anderen Stelle des Buches Intervallfasten für Frauen nicht empfehlen. Das wird aber meiner Ansicht nach unzureichend beleuchtet. Denn ob etwas sinnvoll ist oder nicht, hängt meiner Meinung nach immer davon ab, welches Ziel verfolgt wird. Auch müsste die Zufuhr von muskelaufbauenden Proteinen, die BCAAs, vor dem Training diskutiert werden. Würden sie eventuell dem eintretenden Katabolismus standhalten und Nüchterntraining würde dann zum gesunden Gewichtsmanagement auch bei Frauen wieder empfehlenswert sein? Fragen, die durch das Buch leider unbeantwortet bleiben.

Nicht nur bei der eben erläuterten Thematik, sondern an vielen anderen Stellen bleiben die Autorinnen meiner Meinung nach zu oberflächlich. Als weiteres Beispiel seien hier die Referenzwerte im Blut genannt. Es wird u. a. angesprochen, wie wichtig eine gute Vitamin-D-Versorgung ist und dass man sie mittels Bluttest überprüfen lassen sollte. Dass allerdings die herkömmlichen Referenzwerte keinesfalls als Referenz für langfristige Gesundheit herangezogen werden können, entspricht dem aktuellen Kenntnisstand, den beispielsweise Thiemo Osterhaus in seinem Buch „Der Blutwerte-Code“ ausführlich erklärt hat.

Des Weiteren sprechen die Autorinnen des Buches auch immer wieder von der „aktiven Frau“. Sie definieren allerdings an keiner Stelle, was sie darunter verstehen. Ist es eine Frau, die drei Mal pro Woche für eine halbe Stunde Yoga macht und weite Teile ihres Weges im Alltag zu Fuß zurücklegt? Oder verstehen sie darunter eine Frau, die vier Mal pro Woche intensives Krafttraining betreibt und einmal Laufen geht? Diese Frage bleibt leider offen, was die Empfehlungen der Autorinnen schwer greifbar macht, da sie der Lesende nicht eindeutig einordnen kann.

Für mein Gefühl gibt das Buch viele Ratschläge, die ohnehin auf der Hand liegen (z. B. vor jedem Training aufwärmen) und die Ausführungen gehen zu wenig in die Tiefe. Beispielsweise wird Beckenbodentraining von Krafttraining getrennt betrachtet, was meiner Meinung nach nicht sinnvoll ist. Vielmehr sollte jedes Krafttraining  unbedingt mit einer gewissen Beckenbodenspannnung durchgeführt werden, um gesundheitlich maximal abgesichert zu sein und effizient zu trainieren.

Außerdem werden die Themen oftmals zu wenig differenziert betrachtet. Wie zum Beispiel oben erwähnt die Sache mit den Blutreferenzwerten. Viele Fragen bleiben offen.

Was allerdings aus meiner Sicht definitiv für das Buch spricht: Es ist durch und durch ein Plädoyer für die Frau und ihre naturgegebenen Besonderheiten. Es bestärkt Frauen darin, ihren eigenen Körper zu respektieren, zu seinen faszinierenden Funktionen zu stehen und sich diese zunutze zu machen. 

Des Weiteren motiviert das Buch mit vielen Argumenten zum Krafttraining. Auch welchen, die nicht so gängig sind. Zum Beispiel merken die Autorinnen an, dass Frauen mit mehr Muskelmasse nachweislich weniger Beschwerden in den Wechseljahren haben. Ein Argument, welches man nicht so häufig findet.

Alles in allem würde ich für das Buch die Schulnote 3 vergeben. Es kann – je nach Kenntnisstand des Lesenden – viele hilfreiche Informationen bieten. Für den kritischen Leser, der mehr oder es genau wissen möchte, sind die Ausführungen allerdings zu dünn. Gründe, die mich dazu veranlassen, das Buch nur bedingt weiterzuempfehlen.

cropped-sula_logo_180x180.png

Hinweis: Bei dem oben hinterlegten Link zum Verlag handelt es sich um keinen Affiliate-Link. Die Rezension ist aus eigenem Interesse entstanden.

cropped-sula_logo_180x180.png

top

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.