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entspannen & regenerieren, Yoga

Was ist Yoga?

3 Dinge, die du über Yoga (noch) nicht gewusst hast

Was bedeutet Yoga? Und worauf kommt es beim Yoga wirklich an? In diesem Artikel erfährst du 3 Dinge, die du über Yoga (ziemlich sicher) noch nicht gewusst hast. Außerdem verrate ich dir meinen ganz eigenen Yoga-Zugang… Neugierig? Na dann los…

Yoga ist seit einigen Jahren aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken: Yoga-Studios und Yogakurse gibt es an allen Ecken und Enden. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland hat für das laufende Jahr geortet[1], dass 16 % der Bevölkerung in Deutschland Yoga-Erfahrung haben und 5 % (rund 3,4 Mio.) aktuell Yoga ausüben. Im Vergleich: Im Jahr 2014 waren es noch 3 % (rund 2,6 Mio.). Nicht viel meinst du? Naja, von den 95 %, die aktuell kein Yoga praktizieren, können sich 19 % vorstellen, im nächsten Jahr mit Yoga zu beginnen. Das sind rund 12,8 Mio. Menschen (im Vergleich: 2014 waren es noch 16 %). Grund genug, sich ein paar Grundsatzfragen zu stellen, damit du weißt, worauf du dich einlässt! 😉


1. Was bedeutet „Yoga“?

Das Wort „Yoga“ geht auf das indogermanische Wort „yui“ zurück und bedeutet „zusammenführen“/„verbinden“. Yoga ist in Indien seit über 3500 Jahren bekannt. Ursprünglich geht Hatha Yoga (= der körperbetonte Yoga; = das Üben der yogischen Körperübungen / = Asanas) auf das religiöse Weltbild des Shivaismus zurück, das Methoden aufzeigt, um den Weg zurück zu Gott zu finden.[2] Im Hinblick auf die Bedeutung des Wort „Yoga“ im Sinne von „Zusammenführen“/„Verbinden“ geht es also darum, einerseits die Anteile menschlichen Daseins, also Körper, Geist und Seele wörtlich „zusammenzuführen“, also in Einklang zu bringen. Andererseits wird dadurch auch die Erkenntnis gefördert, dass alles einen gemeinsamen Ursprung hat und auch wiederzu diesem zurückkehrt. Das ist mit „zurück zu Gott finden“ gemeint.

Zusammengefasst geht es also im Yoga darum, sich einerseits mit sich selbst zu verbinden (also Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen) und andererseits auch die Verbundenheit zu allen anderen Lebewesen, der Natur und dem Kosmos zu entdecken.

Namaste-Haltung: Die Hände vor der Brust aufeinander gelegt, die Daumen berühren das Brustbein

Darin begründet liegt übrigens auch die „Namaste“-Haltung (siehe Bild), die dich in jeder Yoga-Stunde begleitet (zumindest zu Beginn und/oder am Ende der Stunde). Sie bedeutet nämlich: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir – und wir sind eins.“


2. Was ist Yoga?

Yoga bedeutet zur Ruhe kommen

Patanjali, ein Philosoph, über den wenig bekannt ist und der irgendwann im Zeitraum zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr. gelebt haben soll [3], hat seine Erkenntnisse in den so genannten „Yoga-Sutren“ (= „Yoga-Leitfäden“, sutra = Faden, Vers) für die Nachwelt niedergeschrieben. In seinem Vers 2 heißt es, dass Yoga „das Zügeln der Aktivitäten des Geistes“ [4]  ist. Yoga hilft dir also zur Ruhe zu kommen. Einerseits durch die Asanas selbst, andererseits durch deinen Fokus während des Ausübens der Asanas auf dich selbst und deinen Atem. Weiters hat Patanjali festgehalten:

Yoga ist „fest“ und „angenehm“ zugleich…

Oder in Patanjalis Worten: „sthira-sukham asanam“. In Yoga-Sutra 46 sagt Patanjali, dass Asanas stets „fest“/„stabil“ (= sthira) und „angenehm“/„bequem“ (= sukha) zugleich sein sollen[5]. Denn nur so wird (inneres) Gleichgewicht erfahrbar. Das verbindende Element, um zu diesem harmonischen Gleichgewicht in einer Asana zu gelangen, ist der Atem. Fließt er in der jeweiligen Asana ruhig und entspannt, zeigt er uns, dass wir das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung in einer Asana erreicht haben.[6]

Das bedeutet Yoga für mich

Auf meinem Lebensweg, auf dem mich Yoga nun seit rund sieben Jahren begleitet, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mir hilft, in einer Position, in der ich mich noch nicht so „zu Hause“ fühle, einfach mal anzunehmen, was ist. Klingt einfacher, als es ist, manchmal geht es besser, manchmal schlechter. Aber im Grunde geht es darum, die Ausgangssituation und Gegebenheiten zu akzeptieren, so wie sie nun mal sind. Denn die sind nun mal so und können auch von mir ad hoc nicht verändert werden.

Dann liegt es aber sehr wohl an mir, genau das zu machen, was mir in gesunder Art und Weise möglich ist, um mir die Situation angenehmer zu machen. Noch nicht so weit reingehen in die Asana, die Arm-/Beinstellung so verändern, dass sie meinen derzeitigen körperlichen Voraussetzungen bestmöglich entspricht etc.

Und schlussendlich geht es dann darum, das loszulassen, was mich daran hindert, in der jeweiligen Situation (Position) weiterzukommen. Körperlich gesehen ist es vielleicht Spannung, mental betrachtet vielleicht der Gedanke etwas „zu müssen“. Einfach annehmen was ist, anpassen was gesund möglich ist und loslassen, was man nicht mehr braucht – und Yoga findet seinen Weg.

So ist Yoga für mich das Annehmen von anfänglichen Unbequemlichkeiten oder Schwierigkeiten und das stetige achtsame Anpassen an meine Bedürfnisse, um mir diese Unbequemlichkeiten angenehmer zu gestalten. Auch wenn es – wie so oft – viel einfacher gesagt ist, als getan. 😉


3. Worauf kommt es im Yoga an?

Auch wenn du noch nie Yoga ausgeübt haben solltest, hast du sicherlich eine Vorstellung von Yoga im Kopf – richtig? Womöglich sind es Bilder von schon fast exotischen Körperhaltungen, die du dir nie im Traum vorstellen könntest, selbst ausüben zu können. Oder vielleicht verbindest du damit auch Bilder, in denen sich der Körper in (mitunter extremen) Dehnpositionen befindet. Und wieder hast du den Gedanken: Never ever mit mir! Oder du hast bereits selbst Erfahrung mit Yoga gemacht oder übst sogar regelmäßig. Wo auch immer du stehst:

Warum machst du Yoga bzw. warum wird Yoga gemacht?

Der Gedanke ist weit verbreitet – und stimmt in gewissem Maße auch – nämlich, dass Yoga deine Beweglichkeit fördert. Es macht dich (nicht nur) körperlich flexibler. Weniger bekannt ist aber, dass Yoga – richtig ausgeübt – auch in gleichem Maße deine Stabilität fördert und fordert. Und auch das nicht nur körperlich, sondern auch geistig bzw. seelisch.

Du übst mit Yoga also Körperhaltungen, die (im ersten Moment) ungewohnt sind oder sogar ein Gefühl des Unbehagens in dir auslösen. Gut so, denn das ist die ureigenste Reaktion deines Körpers / Geistes, auf neue (Trainings-)Reize. Nimmst du dieses ungewohnte Gefühl aber an, lädst deinen Körper ein, in eine bestimmte Körperposition achtsam hineinzukommen und richtest sie gemäß deiner individuellen Voraussetzungen auch so ein, dann wirst du die Erfahrung machen, dass die Position – kontinuierlich geübt – wie von Zauberhand plötzlich bequemer wird. Und noch mehr möglich wird. Einerseits stellt sich in deinem Körper das gesunde Gleichgewicht von Mobilität und Stabilität ein, andererseits helfen dir auch die achtsame Umgangsweise mit dir selbst und dein Körpergedächtnis dabei, dass eine Position immer besser gelingt. So gesehen ist Yoga tatsächlich eine Art von Training. Es ist ein Üben derselben Position immer und immer wieder gepaart mit dem Vertrauen, dass dein Körper zu noch mehr fähig ist. Und Boom, schon stehst du plötzlich im Kopfstand oder bringst die ganze Fußsohle im „herabschauenden Hund“ auf den Boden.

Wie auf der Matte so im täglichen Leben

Der Grundgedanke des Yoga ist der, dass du dieses aufmerksame Praktizieren des Yoga auf der Matte auch sinngemäß in andere Bereiche deines Lebens überträgst. So wirst du nicht nur körperlich flexibler und stabiler sondern auch mental bzw. seelisch widerstandsfähiger. Beispielsweise werden dich unvorhergesehene oder herausfordernde Situationen im Alltag nicht mehr so schnell aus der Bahn werfen können, weil du innerlich in deiner Mitte bist. Oder zumindest weißt du durch deine geübte Achtsamkeit auf der Yogamatte, was du körperlich, geistig und/oder seelisch unternehmen musst, um wieder mehr in deine Mitte zu kommen.

Yoga bedeutet für jeden irgendwie dasselbe – und doch etwas Anderes

Fakt ist, Yoga ist ein weites Gebiet und jeder findet wohl irgendwann seine ganz eigene Bedeutung von Yoga. Für manche bedeutet Yoga einfach die Tatsache, dass man sich Zeit für sich selbst nimmt oder sich selbst etwas Gutes tut. Für andere bedeutet Yoga sogar ein eigener Lebensstil, in dem bestimmte Wertvorstellungen, Handlungs- und Denkweisen eine große Rolle spielen. Was auch immer Yoga für dich bedeutet, Fakt ist auch, dass sich mit der Zeit des Yoga-Übens immer wieder neue Aspekte auftun, die man bisher noch nicht so beachtet hat. Oder man gewinnt neue Sichtweisen, Einblicke etc. Und das selbst (oder ganz besonders?) dann, wenn man glaubt, Yoga bereits verstanden zu haben. Aber genau das ist wohl auch das Spannende daran…

In diesem Sinne: Viel Spaß – und Geduld 😉 – beim Üben und Entdecken!


[1] Vgl. Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland, BDY-Studie „Yoga in Zahlen 2018“, https://www.yoga.de/news/interesse-an-yoga-steigt-an/, vom 13.03.2018, Abfrage vom 19.12.2018, 10:10 Uhr
[2] Vgl. Trökes A., 2010,  Das große Yoga-Buch, Gräfe und Unzer Verlag, S. 14 f
[3] Vgl. Trökes A., 2013,  Die kleine Yoga-Philosophie, O. W. Barth Verlag, S. 167
[4] Durgananda Swami, o. J., Yoga Sutren des Patanjali, Sivananda Yoga Vedanta Zentrum Wien, S. 30
[5] Vgl. Durgananda Swami, o. J., Yoga Sutren des Patanjali, Sivananda Yoga Vedanta Zentrum Wien, S. 101 und Trökes A., 2013, Die kleine Yoga-Philosophie, O. W. Barth Verlag, S. 192
[6] Vgl. Trökes A., 2013,  Die kleine Yoga-Philosophie, O. W. Barth Verlag, S. 193


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